Einführung in das Konsortium für transformative Innovationspolitik (TIPC)

Das Transformative Innovation Policy Consortium (TIPC) ist eine Gruppe von Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsforschern, politischen Entscheidungsträgern und Förderagenturen, die zusammenarbeiten, um einem neuen Rahmen für die Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitik (STI) Substanz zu verleihen – Transformative Innovationspolitik (TIP). TIP zielt darauf ab, globale gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen, wie es in den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen verankert ist.

Koordiniert von der Science Policy Research Unit (SPRU) der University of Sussex in Großbritannien sind die derzeitigen Mitglieder Innovationsministerien und Förderagenturen aus Kolumbien, Finnland, Norwegen, Südafrika und Schweden. Weitere Partnerprogramme gibt es in China, Brasilien, Senegal, Ghana und Kenia. 

TIP wird durch ein Papier über die Three Frames of Innovation (2018) der TIPC-Gründer Professor Johan Schot und Professor Ed Steinmüller untermauert. 

TIPC ist ein fünfjähriges Programm, das sich auf politische Experimente, Evaluierung, Kapazitätsaufbau und Entwicklung der Forschungsagenda konzentriert. Ein übergreifendes Ziel besteht darin, die weit verbreitete Einführung neuer transformativer Innovationspolitiken und -praktiken auf der ganzen Welt zu sehen. Dieser transdisziplinäre Ansatz generiert bereits neue Rahmen, Standards und Narrative und erforscht neue Wege, um das gegenseitige politische Lernen zwischen Ländern des globalen Nordens und Südens zu nutzen.

Drei Rahmen der Innovationspolitik

 

In den letzten Jahrzehnten haben zwei konzeptionelle Rahmen die Entwicklung der Innovationspolitik dominiert, die auf dem angebotsorientierten Innovationsmodell des 20. Beide Rahmen gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum immer positiv ist, und ignorieren viele der unbeabsichtigten Folgen der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung, die sich nachteilig auf die Gesellschaft und die Umwelt ausgewirkt haben. Ein dritter Rahmen, die Transformative Innovationspolitik (TIP), entsteht – eine, die soziale und ökologische Probleme in den Mittelpunkt stellt.

  • 1. R&D and Regulation
  • 2. Nationale Systeme für Innovation und Unternehmertum
  • 3. Transformative Innovationspolitik
Das erste Framing stellt Innovationspolitik als Anreize für den Markt dar, gesellschaftlich und wirtschaftlich erwünschte wissenschaftliche Kenntnisse (FuE) zu produzieren. Dies wird hauptsächlich durch Subventionen und Maßnahmen zur Verbesserung der „Anwendbarkeit“ von Innovation (IPR) umgesetzt. Um zu ermitteln, welche Bereiche Unterstützung benötigen, wurde Vorausschau entwickelt. Im Hinblick auf negative Externalitäten wurden verschiedene Formen der Technikfolgenabschätzung etabliert, und zum Schutz der Gesellschaft, wenn die Auswirkungen zu einem Problem werden, werden Regulierungen eingeführt. Dieses Framing identifiziert das wichtigste Element der Innovation als den Entdeckungsprozess (Invention) und führt zu dem linearen Modell, in dem Technologie die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse ist. Das lineare Modell privilegiert die Erkennung gegenüber der Anwendung. Zum Teil, weil davon ausgegangen wird, dass die Belohnungen der Anwendung durch ein angemessenes Funktionieren des Marktsystems erfolgen. Nur bei Marktversagen ist staatliches Handeln erforderlich.

Das zweite Framing zielt auf eine bessere Nutzung der Wissensproduktion ab, unterstützt die Kommerzialisierung und schließt die Lücke zwischen Entdeckung und Anwendung. Dieses Framing nimmt verschiedene Formen des Lernens als zentrales Element ein, darunter: solche, die durch Nutzung, Produktion und Interaktion erworben werden; Verbindungen zwischen verschiedenen Akteuren; Aufnahmefähigkeit und Fähigkeitsbildung von Unternehmen; und schließlich Unternehmertum. Der Grund für politische Interventionen ist ein Systemversagen – die Unfähigkeit, das Beste aus dem, was verfügbar ist, aufgrund fehlender oder fehlerhafter Verbindungen im Innovationssystem herauszuholen. Die Innovationspolitik konzentriert sich beispielsweise auf den Technologietransfer, den Aufbau von Technologieplattformen und Technologieclustern, um Interaktion und Humankapitalbildung zu stimulieren. Darüber hinaus sind in diesem Modell Vorausschau, Technologiebewertung und Regulierung Ergänzungen zur Kernaktivität der Innovationsförderung (unter der Annahme, dass jede Innovation wünschenswert und gut ist, da Innovation der Motor für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit ist).

Ein dritter Rahmen für die Innovationspolitik ist die Transformative Innovationspolitik (TIP), die davon ausgeht, dass negative Auswirkungen oder Externalitäten von Innovationen positive Beiträge übersteigen können. TIP konzentriert sich auf die Mobilisierung der Innovationskraft, um ein breites Spektrum gesellschaftlicher Herausforderungen wie Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel anzugehen. Es betont Politiken zur Lenkung sozio-technischer Systeme in gesellschaftlich wünschenswerte Richtungen und bettet Veränderungsprozesse in die Gesellschaft ein. TIP untersucht Fragen rund um den sozio-technischen Systemwandel, um einen strukturellen Wandel zu bewirken in: Governance-Arrangements zwischen Staat, Markt, Zivilgesellschaft und Wissenschaft; Experimentieren und gesellschaftliches Lernen; verantwortungsvolle Forschung und Innovation; und schließlich eine konstruktivere Rolle für die Vorausschau, um Innovationsprozesse von Anfang an und kontinuierlich zu gestalten.

Wie unterscheidet sich Frame 3?

Dieses Flussdiagramm unten zeigt den Hauptunterschied zwischen Rahmen 1 und 2 und dann den von Rahmen 3. Rahmen 1 und 2 gehen davon aus, dass das Gemeinwohl durch den Anreiz neuen Wissens und Innovationen erreicht wird, die von der Industrie genutzt werden, um Wirtschaftswachstum zu erzielen. Rahmen 3 adressiert ausdrücklich und grundsätzlich gesellschaftliche Ziele als primären Fokus. Indem die gesellschaftlichen Herausforderungen in erster Linie angegangen werden, geht die Denkweise von Rahmen 3 davon aus, dass unter Berücksichtigung des sozialen und ökologischen Wohls eine größere Produktivität und weniger Ungleichheit und damit ein höheres Wirtschaftswachstum erzielt werden. Es läuft entgegen den Annahmen von Frame 1 und 2 ab.

Die drei Rahmen der Innovation